Neue Ergebnisse AMT-130

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AMT-130: Gentherapie bei Huntington – erste positive Ergebnisse

Stellungnahme der DHH, verfasst vom Wissenschaftlichen Beirat

Für alle, die mit der Huntington-Krankheit leben – Betroffene wie auch Angehörige – sind neue Forschungsergebnisse immer mit großen Hoffnungen verbunden. Umso wichtiger ist es, die aktuellen Studienergebnisse zur Gentherapie AMT-130 realistisch einzuordnen.

Bei dieser Therapie wird mithilfe eines harmlosen Virus ein kurzes RNA-Stück direkt ins Gehirn eingebracht, um das krankmachende Huntingtin-Protein zu reduzieren. Gleichzeitig wird jedoch auch das normale Huntingtin-Protein verringert, was zu Nebenwirkungen führen kann. Die dafür notwendige Operation ist sehr aufwendig und dauert je nach Patient zwischen 10 und 18 Stunden.

Die Behandlung zeigt erste Hinweise darauf, dass sie das Fortschreiten der Huntington-Krankheit verlangsamen kann. Patienten blieben in Tests zu Alltagsfähigkeiten und kognitiven Funktionen stabil, und Biomarker deuteten auf eine neuroprotektive Wirkung hin.

Die Ergebnisse sind ermutigend, sollten jedoch nicht als Heilung verstanden werden. Weitere Studien und Langzeitauswertungen sind nötig, um die Wirkung und Sicherheit der Therapie umfassend zu beurteilen.

Zulassungspläne: In den USA wird ein möglicher Zugang frühestens ab Mitte 2026 erwartet, für Europa oder andere Regionen wurden bisher keine Pläne angekündigt.

 

Erste Ergebnisse der Studie

1. Stabilisierung der Krankheit

  • Die 36-monatige Studie zeigte Hinweise darauf, dass AMT-130 das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt.

  • Patienten, die die Therapie erhielten, zeigten stabile Werte in Tests zu Alltagsfähigkeiten (TFC).

    • Nach 2 Jahren lag der Unterschied zur Kontrollgruppe bei 0,3 Punkten, nach 3 Jahren bei 0,6 Punkten.

    • Eine Veränderung von 1 Punkt gilt als klinisch bedeutsam, dieser Wert wurde in der Studie nicht erreicht (Differenz zur Vergleichsgruppe: 0,52 Punkte).

2. Kognitive Funktionen

  • Bei den kognitiven Tests (SDMT und SWRT) zeigten Patienten Verbesserungen:

    • SDMT: +7,8 Punkte (Schwellenwert für klinische Relevanz: 9 Punkte)

    • SWRT: +10 Punkte (Schwellenwert für klinische Relevanz: 10 Punkte)

  • Das Besondere: Bisher wurden in Studien mit experimentellen Therapien noch nie solche Verbesserungen bei diesen Tests beobachtet.

3. Biomarker (NfL und andere)

  • Der Biomarker Neurofilament light chain (NfL), der den Abbau von Nervenzellen anzeigt, sank bei behandelten Patienten um 8 %, während er normalerweise jährlich um 10–15 % steigt.  Bei SMA-Patienten sinkt der NfL durch eine wirksame Therapie auf die Hälfte.

  • Weitere Marker wie Enkephalin sollen in Zukunft untersucht werden, um die neuroprotektive Wirkung von AMT-130 besser zu bestätigen.

Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen, die häufigsten Nebenwirkungen standen im Zusammenhang mit dem chirurgischen Eingriff.

Wenn Sie eine ausführliche Evaluation lesen möchten, finden Sie diese hier: AMT-130 Marks a Historic Moment for Huntington’s—Now Comes Careful Communication – Factor-H


 

Experteneinschätzung

„Die von uniQure veröffentlichten Fortschritte bei der Behandlung der Huntington-Krankheit (HK) sind ein großer und motivierender Meilenstein! Die Nachricht ist eine große Hoffnung für unsere HK-Familien.

Wir haben 2015 das erste klinische Beratungstreffen für AMT-130 am GHI ausgerichtet und seitdem leite ich als global verantwortlicher Studienarzt die beiden AMT-130-Studien in den USA und in Europa. Sie können mir also glauben, ich bin sehr begeistert von den vorliegenden Daten!

Die beiden Studien haben damit definitiv ihren Hauptzweck erfüllt: die Sicherheit und Verträglichkeit der AMT-130-Gentherapie zu untersuchen.

Und ja, auch die Wirksamkeitssignale sind ermutigend. Wir müssen jedoch bedenken, dass es sich nur um 12 Patienten handelt und in dieser Studie keine gut kontrollierte Vergleichsgruppe (Scheinoperation/Placebo) vorliegt. Das ist normal für eine frühe Sicherheitsstudie der Phase I/IIa. Der Wirksamkeitsnachweis erfordert in der Regel anschließend eine größere Zulassungsstudie der Phase IIb/III.

Der hier durchgeführte Vergleich mit historischen Daten aus Beobachtungsstudien wie ENROLL-HD ist mit einigen Vorbehalten verbunden. In solchen Studien rechnen die Prüfärzte mit einem Fortschreiten der HK und neigen viel eher dazu, die Patienten im Verlauf schlechter zu bewerten als in einer klinischen Studie, in der Behandlungseffekte erwartet werden. Solche Probleme können nur durch eine ordnungsgemäß verblindete Placebo-Gruppe in der Studie kontrolliert werden. Oder durch die Verwendung objektiver Messgrößen, die keine Placebo-Reaktionen zeigen, z. B. Bildgebung oder Q-Motor.

Obwohl uniQure also einen sehr motivierenden Schritt in die richtige Richtung berichtet, sollten wir bedenken, dass die Wirksamkeit von AMT-130 noch nicht abschließend nachgewiesen ist. Auch wurden noch nicht alle Daten ausgewertet. Ob es also zu einer Zulassung mit den jetzt verfügbaren Daten kommt, bleibt abzuwarten. Es ist berechtigt, Hoffnung zu haben, aber wir sollten realistisch sein und die Ergebnisse nicht überbewerten.“

Dr. Ralf Reilmann, Direktor des GHI und globaler Studienleiter der AMT-130-Studien