Wir wollen Meer! - Entspannung auf Langeoog

Resilienz-Erlebnisse auf Langeoog

Kennen Sie das auch: Sie kommen an einen Ferienort und fühlen sich gleich geborgen und gut aufgehoben?

So ging es der Gruppen des DHH Landesverbands Norddeutschland e.V. im August auf Langeoog. 19 Personen, HK-Betroffene und Angehörige, haben sieben Tage, untergebracht im Haus Meedland der Bremischen ev. Kirche, genutzt, um ihre Energiespeicher aufzufüllen, neue Anregungen aufzunehmen und sich dem Thema Resilienz mit ostfriesischer Gelassenheit zu nähern.

Resilienz wird als die Fähigkeit verstanden, Krankheiten, Krisen Belastungen, Misserfolge und Konflikte durch den Rückgriff aus persönliche Ressourcen und Schutzfaktoren positiv zu bewältigen sowie auf künftige schwierige Irritationen vorbereitet zu sein und in diesen adäquat zu handeln. (Hugo Körbächer).

Resilienz praktisch zu erleben, Belastungen rechtzeitig erkennen und neue Handlungsoptionen einzuüben, waren Themen, die in dem Gruppenerleben fast wie von selbst stattfanden. Gemeinsam wurde geübt, wie den täglichen Anforderungen, die diese chronische und kaum behandelbare Krankheit mit sich bringen, in Ruhe und Gelassenheit begegnet werden kann.

Nach der langen Corona-Zeit war es besonders wichtig zu erspüren, wie man den Alltag in Gemeinschaft wieder aufnehmen kann. Da bei der Huntington Krankheit Sprache und Verstehen verlangsamt und motorische Fähigkeiten eingeschränkt sein können, braucht es Zeit, um in den Austausch zu kommen und Geduld, bei der Umsetzung von Aufgaben. Dies wurde geübt und positiv und wertschätzend unterstütz.

Angehörigen konnten unter sich und in Ruhe in den Austausch mit anderen kommen und über ihre Probleme sprechen. Sie haben am Beispiel anderer gesehen, was sie selbst evtl. anders und besser machen könnten, um ein entspanntes Miteinander zu leben.

Aktiviert wurde die Motorik bei kurzen (bis zur Eisdiele) oder längeren Spaziergängen zum Strand und durch das Dorf. Und plötzlich konnte der Rollator im Haus bleiben, weil die autofreie Insel und eine entspannte Begleitung die Sturzgefahr minimierten.
Erstaunlich war auch, wie die Mahlzeiten angenommen wurden. Nordseeluft macht hungrig und die abwechslungsreichen Speisen wurden mit Freude gegessen. Es gab kaum ein Verschlucken und belegte Brote oder Grillwürste wurden nachgeordert.
Stoff- und Postkartendruck schulten die Feinmotorik und das Schöne an dieser “Therapiestunde“ war, man konnte etwas mit heim nehmen.
Den Entspannungszeiten im Strandkorb folgten ausgiebige Kaffee-und-Kuchenschlachten. Und dann wartete man schon gespannt auf die Spiele, die laut und lustig bis tief in die Nacht gespielt wurden. Natürlich wurde dabei genascht, geraucht, getrunken: auch das ist heilsam. So wie die lagen und sehr persönlichen Gespräche zwischen Betroffenen und Angehörigen. Man hat sich genau zugehört

Wir wollen Meer…wir wollen mehr davon …hoffentlich in 2022 wieder.

Carmen Vogel